Im Rahmen der Generalversammlung der SUISA-Genossenschaft vom 23. Juni 2026 im Kaufleuten Zürich blickte ich in meiner Rede auf achtzehn Jahre als Direktor der FONDATION SUISA zurück – und habe versucht zu zeigen, warum Förderarbeit für mich vor allem bedeutet, Bewegung zu ermöglichen, Spannungen auszuhalten und eine glaubwürdige, stabile Struktur an eine neue Direktion zu übergeben. Meine letzte Rede an einer SUISA-GV als Direktor möchte ich Ihnen nicht vorenthalten – Sie lesen sie im Folgenden.
Grazie Mille, caro Zeno, chèr Xavier, Monsieur le Président, liebe SUISA-Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Ich werde Ihnen heute ausnahmsweise keine Zahlen und Facts‘n‘Figures präsentieren. Sie finden diese in unserem wunderschön gemachten Tätigkeitsbericht auf unserer Webseite – wie immer in drei Sprachen. Ich empfehle ihn ausdrücklich zur Lektüre.
Nun – Achtzehn Jahre. 6716 Tage, um genau zu sein… Tatsächlich. Und ob Sie es mir glauben oder nicht: Ich habe den Job jeden einzelnen Tag gerne gemacht!
Was hat mich daran so fasziniert und fasziniert mich immer noch?
In erster Linie: Der Kontakt mit Ihnen – mit Urheberinnen und Urhebern, mit Musikschaffenden, mit Menschen, die ihr Leben der Musik widmen. Diese Kontakte haben mir täglich vor Augen geführt, welches Privileg es ist, in einemmusikalisch so reichen, kulturell so vielfältigen Land wie der Schweiz leben zu können. Ein Blick über die Grenze genügt, um zu verstehen: Das ist keine Selbstverständlichkeit.
Tragen wir gemeinsam Sorge dazu.
Was bleibt von achtzehn Jahren? Das ist durchaus eine Frage, die ich auch mir stelle.
Ich bin überzeugt: In unserem Kultur-Förder-Metier sind Ursache und Wirkung nicht immer sofort sichtbar. Und die FONDATION SUISA ist insbesondere nicht für Denkmäler zuständig, sondern – für Bewegung. Neue Dinge entstehen lassen – und ja, manchmal verschwinden diese auch wieder. Kultur ist nicht statisch. Und das ist gut so.
Natürlich, wir können die Welt nicht in ihren Grundfesten verändern, aber ich bin überzeugt: Unsere Stiftung trägt im Kleinen dazu bei, dass wir in einer lebenswerten Welt leben dürfen. Das klingt vielleicht bescheiden. Aber ich meine es vollkommen ernst – und ich halte es für eine anständige Bilanz.
Es gibt so unendlich viele Gründe, warum Musik gemacht wird: als Beruf, als Experiment, zur Unterhaltung, vielleicht zum Feiern, vielleicht zum Trauern. Musik ist nie das Gleiche. Also kann es auch nie die eine, einzig wahre Form der Förderung geben.
Unsere Stakeholder-Analysen im aktuellen Strategieprozess haben das glasklar gezeigt: Zu fast jedem Anspruch an die Stiftung gibt es einen gleichberechtigten, aber gegenteiligen Anspruch (Stichwort: Giesskannenprinzip vs. Leuchtturmförderung – strategisch völlig unterschiedliche Ansätze). Und um diese Vielfalt und Diversität des Musikschaffens zu ermöglichen, braucht es die FONDATION SUISA. Das Aushalten dieser Spannungen, das Ausbalancieren dieser Erwartungen – das war und ist die eigentliche Herausforderung. Und dies zeigt gleichzeitig, wie nötig die FONDATION SUISA ist.
Ich gebe das alles nun weiter: eine solide Struktur, engagierte, aktive Menschen in Stiftungsrat, Kommissionen und Geschäftsstelle. Ich darf es an einen – ich sage es gerne – ausgezeichneten Nachfolger übergeben.
Ich bin fast etwas neidisch auf das, was jetzt auf Euch zukommt. Wirklich.
Und ich bin dankbar – und ich meine das auch nicht als Pflichtübung:
- Dankbar dem Stiftungsrat, dem jetzigen wie dem früheren – für das Vertrauen und den Rückhalt, auch und gerade in schwierigen Phasen.
- Dankbar meinem Team, das über die Jahre bemerkenswert stabil und bemerkenswert solidarisch war. Ohne diese Menschen, ohne Euch wäre nichts von alldem möglich gewesen.
Und dankbar natürlich Ihnen – liebe SUISA-Mitglieder – dafür, dass Sie diese Stiftung überhaupt erst möglich machen.
Mein Ziel war stets, die Stiftung im stabilen Gleichgewicht zu halten – die verschiedenen Interessen auszubalancieren, Glaubwürdigkeit aufzubauen und transparent umzusetzen.
Für alle Beteiligten, sogenannt «gemeinnützig».
Das klingt vielleicht wenig glamourös. Aber Stabilität, Transparenz und Glaubwürdigkeit sind das Fundament, auf dem das alles aufbaut.
Ob mir das gelungen ist – das zu beurteilen überlasse ich Ihnen.
Vielleicht kommt es dem einen oder der anderen entgegen, dass ich jetzt zurücktrete:
Ja, ich musste auch unangenehme und ablehnende Entscheide kommunizieren, und ja, ich habe vielleicht nicht immer den Erwartungen entsprochen. That‘s part of the game.
Es allen recht zu machen ist – auch in diesem Job – ein Ding der Unmöglichkeit….
Das schafft vielleicht eine KI.
Ich jedenfalls habe das Rezept nicht gefunden…
Grazie Mille – für die achtzehn intensiven Jahre – sowie die achtundneunzig Tage, die ich jetzt noch dabei sein kann und Fabio Baechtold ein Stück weit begleiten darf.
Und nun: Bühne frei für Fabio!
